Was ist luzides träumen und wie lernt man es?

luzides träumen

Eine Frau und ein Mann sitzen in einem Pariser Café. Sie unterhalten sich aufgeregt über Träume. Der Junge Mann fragt die Frau:
„Träume fühlen sich doch immer real an, während wir sie träumen? Erst wenn wir aufwachen fällt uns auf, dass irgendetwas seltsam war, oder nicht?“
Dann fragt er sie, wie die beiden eigentlich zu diesem schönen Café gekommen sind. Die Frau überlegt kurz. Sie kann sich aber einfach nicht daran erinnern.

Jetzt bemerkt sie, dass sie gerade träumt. Durch diese Erkenntnis gelten auf einmal andere Regeln. Sie schaut durch eine lange Straße, als sich diese plötzlich wie eine Welle vor Ihr aufbaut. Es ist so als würde jemand die Pariser Innenstadt über ihrem Kopf zusammen falten.

Viele kennen die Szene vielleicht aus dem Film Inception.

Aber kann man wirklich so einfach seine Träume kontrollieren?

Was ist luzides Träumen?

Luzides Träumen bezeichnet den Zustand des bewussten Träumens. Also wenn man in einem Traum bemerkt, dass man gerade träumt. Es wird manchmal auch als Klarträumen bezeichnet.

Lange Zeit wurde luzides Träumen als esoterischer Humbug abgestempelt. Seit den späten 1970er Jahren ist es jedoch wissenschaftlich belegt, dass Menschen in der Lage sind zu erkennen, ob sie gerade träumen und dann auch ihre Träume kontrollieren können.

Vielleicht hast auch du auch schonmal gemerkt, dass du gerade träumst. Manchen Leuten fällt es besonders bei Albträumen auf, kurz bevor sie aufwachen. Aber nur die wenigsten sind sich den Möglichkeiten bewusst, die mit dem luziden Träumen kommen.

Kann jeder luzide träumen?

Kurz gesagt: Ja!

Jeder hat die Möglichkeit, die Fähigkeit des luziden Träumens zu lernen. Es benötigt lediglich ein wenig Training. Außerdem gibt es verschiedene Klartraum Techniken und andere Hilfsmittel. Doch dazu später mehr.

Aber ich träume gar nicht…

Man hört Leute oft sagen, dass sie gar nicht oder nur sehr selten träumen. Das ist allerdings nicht richtig. In Wahrheit träumen wir Menschen jede Nacht. Und zwar immer, wenn wir uns in einer sogenannten „Rapid Eye Movement-Phase“ kurz REM-Phase befinden.

Klartraum Schlafphasen
Diese Abbildung zeigt, wie wir unsere verschiedenen Schlafphasen durchschlafen.
Es ist übrigens auch möglich in den anderen Phasen zu Träumen. Jedoch sind die Träume dort nicht so stark ausgeprägt wie in der REM-Phase.

Wacht man also morgens auf, ohne sich an irgendeinen Traum zu erinnern, heißt das lediglich, dass man kein trainiertes Traumgedächtnis hat. Die gute Nachricht: das Traumgedächtnis lässt sich sehr einfach trainieren. Und zwar in dem man ein Traumtagebuch führt.

Was kann man in einem Klartraum machen?

So ziemlich alles was du dir vorstellen kannst. Und sogar noch viel mehr!

Hier ein paar Beispiele:

Fantasie Welten erkunden
  • Mache einen Ausflug nach Jurassic Park
  • Besuche Alice im Wunderland
  • Tauche in die Harry Potter Welt ein.
Fantasiereisen im Klartraum
Hat sich nicht jeder schonmal gewünscht, Hogwarts zu erkunden?
Superkräfte erlangen
  • Kilometer tief in den Ozean tauchen
  • Ultra-schnell rennen so wie „The Flash“
  • Telekinese (Dinge bewegen und fliegen zu lassen, ohne sie zu berühren)
  • Die Zeit anhalten
  • Formwandlung (sich in einen Löwen oder in Spiderman zu verwandeln)
  • Teleportieren
  • In die Zukunft oder Vergangenheit reisen
  • Riesige Wellen auf bloßen Füßen surfen
  • Durch Wände oder auf Wolken laufen
  • Fliegen (z.B. auch ins Universum oder zum Mars)
fliegen im luziden Traum
Wie ein Vogel zu fliegen ist oft das Erste was Leute in einem Klartraum machen.
Fähigkeiten aus dem Wachleben trainieren
  • Sprachen lernen
  • Auf bestimmte Ereignisse vorbereiten (z.B. ein Vorstellungsgespräch durchleben und trainieren)
  • Bewegungen trainieren
im luziden Traum lernen
Es ist wissenschaftlich belegt, dass sich das Training von bestimmten Bewegungen im Klartraum, positiv auf die Bewegungen im Wachleben auswirkt.
Unbezahlbare Erfahrungen machen
  • Sich die Zukunft und persönliche Ziele visualisieren
  • Mit verstorbenen Menschen oder Tieren in Kontakt treten
  • Sich mit seinem zukünftigen Ich unterhalten
  • Eine Person im Traum nach Dingen fragen, die sie bedrücken (jede Person in deinem Traum ist eine Version von dir)
  • In ein Museum gehen und merken, wie kreativ dein Gehirn ist
luzides träumen kunst
Du wirst wahrhaftig „traumhafte“ Kunst sehen
Mit Albträumen abschließen

Wiederkehrende Albträume eignen sich dafür am besten. Hier kann man nämlich mit ein bisschen Training recht einfach feststellen, dass man sich schon wieder diesem einen Albtraum befindet. Macht man sich das im Traum bewusst, hat man auf einmal die Möglichkeit in das Geschehen einzugreifen und den oftmals feindlichen oder verfolgenden Traumcharakter einfach zu fragen, was er denn von einem will. Das führt erfahrungsgemäß zu einleuchtenden Erkenntnissen über sich selbst und einem befreienden Gefühl.

Wie kann ich luzides Träumen lernen?

Dazu gibt es eine ausführliche Anleitung. Diese findest du hier: Anleitung zum luziden Träumen lernen.

Wie funktioniert luzides Träumen?

Luzides Träumen wurde ausgiebig untersucht, aber vieles ist noch unbekannt über das Phänomen. Einige Forscher glauben, dass die Aktivität im präfrontalen Kortex des Gehirns mit der Entwicklung von luziden Träumen zusammenhängt. 

In einem „normalen“ Traum nehmen wir Menschen Objekte und Ereignisse innerhalb des Traumzustands wahr, aber wir sind uns des Traums selbst nicht bewusst und können nicht unterscheiden, ob wir schlafen oder wach sind. Dies wird zum Teil auf die geringere Aktivität der Hirnrinde zurückgeführt.

Luzide Träume sind anders, weil sich die Schlafenden bewusst sind, dass sie träumen und in einigen Fällen die Kontrolle über ihre Umgebung ausüben können. 

Einige Studien haben diese Eigenschaften mit erhöhter kortikaler Aktivität in Verbindung gebracht. Bei Schlafenden, die im Rahmen von Studien zum luziden Träumen beobachtet wurden, sind die Aktivitätswerte des präfrontalen Kortex während des luziden Träumens vergleichbar mit den Werten im wachen Zustand. Aus diesem Grund kann das luzide Träumen als ein „hybrider Schlaf-Wach-Zustand“ bezeichnet werden.

Studien haben gezeigt, dass die meisten luziden Träume während des REM-Schlafs (Rapid Eye Movement) stattfinden. Der allgemeine Konsens unter Forschern ist heute, dass luzide Träume aus nicht-luziden Träumen während der REM-Schlafphase entstehen. In diesem Sinne ist Luzidität ein Aspekt von Träumen, der mit verschiedenen Mitteln ausgelöst werden kann.

Ist Klarträumen gefährlich oder gesund?

Die Popularität des Themas hat in den letzten Jahren zugenommen.

Wie oben bereits erwähnt, haben einige Studien auch einen Zusammenhang zwischen dem Auslösen von luziden Träumen und der Überwindung von Angst und Bedrängnis, die mit Albträumen verbunden sind, gezeigt.

Es gibt jedoch viele Debatten darüber, ob das Hervorrufen luzider Träume für die psychische Gesundheit förderlich oder schädlich ist. Einige Forscher argumentieren, dass das Erzeugen von luziden Träumen absichtlich die Grenzen zwischen Traum und Realität verwischt, und dass dies negative Auswirkungen auf die langfristige psychische Gesundheit haben kann. Die Therapie mit luziden Träumen hat sich für einige Gruppen, wie z.B. Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung, als weitgehend unwirksam erwiesen.

Einige Forscher haben ein weiteres Problem mit luziden Träumen eingeführt: Sie sind potenziell schlafstörend. Und zwar wenn Techniken wie „Wake Back To Bed“ angewendet werden. Hierbei stellt man sich einen Wecker, um Nachts zu erwachen und dann wenig später wieder einzuschlafen. Dadurch landet man einfacher in einem Klartraum, bringt aber auch seinen Schlafrhythmus durcheinander, was dann zu übermäßiger Tagesmüdigkeit führen kann.

Glücklicherweise gibt es auch andere Techniken, um luzides Träumen herbei zu führen.

Da luzide Träume mit höherer Hirnaktivität verbunden sind, wird vermutet, dass diese Träume die Schlafqualität vermindern und einen negativen Einfluss auf die Schlafhygiene haben können. Häufige luzide Träume könnten möglicherweise den Schlaf-Wach-Zyklus des Schläfers umstrukturieren, was wiederum die emotionale Regulierung, die Gedächtniskonsolidierung und andere Aspekte des täglichen Lebens, die mit der Schlafgesundheit zusammenhängen, beeinflussen kann. Außerdem haben Menschen mit Narkolepsie – einer Schlafstörung, die durch übermäßige Tagesmüdigkeit und unwiderstehliche Schlafattacken gekennzeichnet ist – eine höhere Wahrscheinlichkeit, häufig luzide Träume zu erleben.